Adliswil von gestern bis morgen

  • Adliswil (Mundart: Adlischwil)  liegt im unteren Sihltal zwischen Albis und Zimmerberg an der Grenze zur Stadt Zürich. Der Wald umfasst ein Drittel der Gemeindefläche, das Siedlungsgebiet und der Verkehr beinahe die Hälfte, 20 % dienen noch der Landwirtschaft.

 

  • Der Ortsname ist seit dem 11./12. Jahrhundert urkundlich belegt. Alteingesessene Adliswiler sagen nicht Adliswil sondern Adlischwil.

  • Adliswils Wappen besteht aus einem gelben Adler auf blauem Grund und einem halben blauen Mühlerad auf gelbem Grund. Diese beiden Symbole beziehen sich auf zwei der ersten Gebäude die es in Adliswil gab, nämlich das Restaurant Adler und die Mühle, die lange Zeit ein bisschen weiter flussaufwärts stand.

  • Seit 1475 ist eine Brücke über die Sihl belegt. Auch im 15. Jahrhundert ist die erste Mühle mit Wehr erwähnt. Die Grundherrschaft lag beim Gross- und Fraumünster Zürich sowie bei den Klöstern Muri und Rüti und ging 1406 an die Stadt Zürich über.

  • Einen starken Wachstumsschub erlebte die Gemeinde im 19. Jahrhundert durch die Industrialisierung, in dieser Zeit wurde die Mechanische Seidenweberei Adliswil (MSA), aufgebaut.

  • Ende 1934 musste die Seidenweberei den Betrieb einstellen.

  • In den Jahren 1942 bis 1945 befand sich in in der stillgelegten Seidenweberei (MSA) das zweitgrösste Internierungslager der Schweiz.

  • Schokoladenfabrik in Adliswil: Lies unseren Blogbeitrag zur Schokoladenfabrik in Adliswil die leider nur nur kurze Zeit das Leben in Adliswil versüsste. www.lebeninadliswil.ch

  • 1954 wurde die Luftseilbahn Adliswil - Felsenegg gebaut.

  • 1959 - 1963 wurde der Sendeturm Felsenegg-Girstel von der damaligen PTT erbaut und dient seither zu Übermittlung von Telefonie-und Fernsehsignale.  Der 51m hohe Turm steht zwar nicht mehr auf Adliswiler Boden - aber so unmittelbar daneben auf Stalliker Grund und etwa 250m nordnordwestlich der Bergstation der Luftseilbahn Adliswil- Felsenegg. Rund 40 Antennen mit Durchmesser bis zu 4m sind am Turm montiert. Der Turm des Richtfunkzentrums Albis- Felsenegg spielte bei zahlreichen europaweiten Fernsehübertragungen eine tragende Rolle.   Quelle: www.aargauerzeitung.ch und Wikipedia

  • 1990 Stillegung der Papierfabrik Sihl, heute Sihlcity und zukünftig in der Manegg auch noch Greencity.

  • Stillegung des Krankenhaus Adliswil

  • Adliswil  ist die am stärksten wachsende Stadt der Schweiz im Jahr 2011, die Bevölkerungszahl steigt um 6,2 %.

  • Heute arbeiten viele der Einwohner in Zürich. Der überwiegende Teil der ansässigen Unternehmen ist im tertiären Sektor tätig. Insbesondere haben einige Versicherungen (Generali, Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft) einen Teil ihrer Verwaltung in Adliswil angesiedelt. Es arbeiten rund 5000 Personen in Adliswil.

  • 2016  Nach fast 50 Jahren verschwindet die beliebte alte  Sihltalbahn Lokomotive vom Spielplatz in Adliswil. Lies dazu den Bericht in unserem Blog: www.lebeninadliswil.ch

  • bis 2020 Wegzug der Rückversicherung SwissRe aus Adliswil.​ Quelle: tagesanzeiger

Mechanische Seidenweberei Adliswil: Die 1863 gegründete Mechanische Seidenstoffweberei Adliswil (MSA), die in ihren Glanzzeiten weit über 1000 Beschäftigte zählte und aus der Bauernsiedlung Adliswil innert Jahrzehnten ein Industriedorf machte, sah sich in der Weltwirt- schaftskrise der 1920er-Jahre zum schrittweisen Abbau von Produktion und Arbeitsplätzen gezwungen, bis sie schliesslich Ende 1934 den Betrieb ganz einstellen musste.  «Das ganze Dorf war ja Fabrik», hat Annie Rohner-Bühler (1907–2008) die Bedeutung der Firma mit Weltruf im Rückblick treffend umschrieben. 

Während dem zweiten Weltkrieg, sollte das Gebäude in ein Notspital umgebaut werden, das ganze Projekt wurde unmittelbar nach einer zweiten Besichtigung durch den Regierungsrat im Februar 1942 endgültig gestoppt, nachdem die unmittelbare Gefahr eines deutschen Angriffs weggefallen war. 

In den Jahren 1942 bis 1945 lag in Adliswil das zweitgrösste Internierungslager der Schweiz, das als Folge der deutschen Besetzung Südfrankreichs eingerichtet wurde. Es war in den Räumen der stillgelegten mechanischen Seidenstoffweberei untergebracht. Insbesondere deutsche Juden, die zuvor in Südfrankreich Zuflucht gefunden hatten, versuchten sich seither in die Schweiz zu retten. Das Durchgangslager, das trotz seiner Grösse wegen der Abschirmung durch das Militär in der Bevölkerung wenig bekannt war, bot Platz für rund 500 Personen.

Auszug aus einem Interview der Weltwoche mit Inge Ginsberg, eine der ersten Flüchtlingen die in der ehemaligen Seidenweberei untergebracht wurden: "Die Familie kam in ein Auffanglager in Adliswil. «Das Fabrikgebäude am Fuss des Üetliberges kommt mir vor wie das Paradies – nach allem, was wir erlebt hatten», heisst es in Ginsbergs Memoiren. Im unteren Stock hausten 300 Männer, im oberen ebenso viele Frauen inklusive Kindern. Geschlafen wurde auf Strohmatten, es war sehr kalt, das Essen eintönig, der Ausgang strikt geregelt. Ginsberg war das egal: «Was kümmert uns das? Wir leben!» Im Lager entwickelte sich eine betriebsame ­Gemeinschaft. Ein Akrobatenehepaar stellte jede Woche ein Programm zusammen, es wurde musiziert, gezaubert, gespielt – und natürlich entstanden Liebschaften. «Mit dem ­Verschwinden der Todesangst explodierte die Lebensfreude», so Ginsberg.

Gleichzeitig flüchteten auch viele italienische und jugoslawische Widerstandskämpfer in die Schweiz, ebenso Italiener, die sich dem Kriegsdienst für Nazi- Deutschland entziehen wollten. 

Kaum war die Zahl der Flüchtlinge in Adliswil Anfang 1945 wieder abgesunken – die Versetzungen in die ZL-Betriebe erfolgten mittler- weile viel rascher als noch 1943 – erreichte am 7. Februar ein Bahntransport mit 1200 Menschen aus dem Ghetto Theresienstadt die Schweizergrenze bei Kreuzlingen. 285 Holländer und 85 Tschechen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft in zwei Transporten am 10. und 15. Februar in Adliswil ankamen.  Auch die nationale Zusammensetzung der Menschen im Lager Adliswil war vielfältig, wie sie das Sihltal bis zu den Migrationsströmen im Zeitalter der Globalisierung kaum mehr sah: neben Angehörigen mitteleuropäischer Nationen auch Polen, Tschechen, Ukrainer, Russen, Litauer, Griechen, Jugoslawen und Araber. Unter den Deutschen und Österreichern befanden sich auch Menschen, die vor dem Vormarsch der Russen geflüchtet waren, unter den Polen befand sich eine Gruppe von 40 befreiten, aber unterernährten Insassen des Konzentrationslagers Dachau, die noch ihre Häftlingskleidung trugen. 

Schliesslich waren bei Kriegsende im Lager Adliswil, das nun nicht mehr «Auffanglager» sondern «Abstelllager» hiess, sogar Auslandschweizer interniert. Es handelte sich dabei um sogenannte Rückwanderer, die seit langem in Deutschland gelebt hatten und – ohne zwingend mit dem Nationalsozialismus zu sympathisieren – nach der Machtergreifung Hitlers 1933 und selbst nach Kriegs- beginn 1939 geblieben waren, jetzt aber keine Zukunft in ihrer zweiten Heimat mehr sahen. Einer dieser Rückwanderer war der Architekt Otto Zollinger (1886–1970), der im März 1945 in Adliswil Wohnsitz nahm und hier tätig wurde, unter anderem mit dem Schwimmbad und den Stationsgebäuden der Luftseilbahn auf die Felsenegg. 

Die ganze Geschichte der Mechanischen Seidenweberei, spannend illustriert mit vielen Bildern, geschrieben von Christian Sieber, Vizepräsident Geschichtsverein Adliswil kann auf der Webseite vom Geschichtsverein nachgelesen werden.

Webseite:  www.geschichtsverein.ch

Papierfabrik Sihl ( d'Papieri).  In Adliswil lebten viele Arbeiter/innen, die in der Papierfabrik arbeiteten. Sie wohnten auch in Häuser die extra für die Mitarbeiter der Papierfabrik gebaut wurden, vor mehr als 50 Jahren. 

 

Im Jahr 1836, als Industrielle und Bankiers aus eingesessenen Zürcher Familien die mechanische Papierfabrik an der Sihl gründeten. Just zur rechten Zeit: Bildung gewann an Bedeutung, die Zahl der Zeitungen, Flugschriften und Bücher nahm stark zu – und damit auch der Papierbedarf. Mit etwa 100 Arbeitskräften startete die Fabrik die Papierproduktion. Die Absätze stiegen stetig, Maschinen wurden hinzugekauft, die Gebäude laufend erweitert. 1931 wurde das Unternehmen von der Weltwirtschaftskrise heftig getroffen. Die Fabrik überlebte nur dank einer soliden finanziellen Basis und setzte von da an immer erfolgreicher auf die Herstellung hoch qualitativer Spezialpapiere. 1973 baute das florierende Unternehmen die weltweit grösste Maschine für Transparentpapier. Nun arbeiteten gegen 500 Leute in Schichten rund um die Uhr. Doch in der Rezession nach dem Ölschock ging es bergab: Kurzarbeit, Stilllegung vieler Maschinen, nur die Ausrüsterei lief noch bis 1990 weiter. Dann wurde es still um das Papierunternehmen. Einige Hallen und Werkstätten wurden noch für Anlässe oder an Künstler und Kleinunternehmen vermietet. ( Quelle: Webseite Sihlcity)

Quellen: Wikipedia; Webseite Sihlcity; Buch: Adliswil - Eine Stadt mit Zukunft, HeinzBinder; Tagesanzeiger,

Literatur und Links zur Geschichte von Adliswil:

© 2019,  Leben in Adliswil